Keine Grenzen in der Musik

KOMPOSITION
Bis sich die klassische Harmonielehre bzw. Formenlehre in der heutigen Form präsentieren
konnte, sind sicher viele Experimente vorangegangen, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte. Bleiben wir also bei den jetzigen Gesetzen der Kompositionsformen: Tonsätzen, Harmonieverbindungen, kurz gesagt, die Harmonielehre.
Die Rhythmen und Melodien werden von Taktarten, wie beispielsweise: dreiviertel oder sechsachtel, bestimmt. Vorzeichen, Kreuze oder B- Zeichen geben die Tonarten an welche sich noch in Dur und Moll unterscheiden. Ich möchte Ihnen aber keinen Grundkurs der Musiktheorie geben, sondern auf mein Thema kommen:
Kann und darf ich gegen diese Regeln der Musik in ihrer fast mathematischen Form verstoßen? - Nehmen wir eine einfache Melodie. Sie steht nach den Formen der musikalischen Gesetze- (Takt, Tonart, Rhythmik, Akkordfolgen, gerade Taktzahl).
Nach genauem Durchspiel dieser Melodie fallen mir neue Ideen ein. Ich könnte Akkorde verändern, neue hinzunehmen,Takte frei gestalten, meiner musikalischen Phantasie freien Lauf lassen.
Bsp.:
Die festgelegte bzw. ursprüngliche Komposition bewirkte bei mir einen freien Gefühlsausbruch, wodurch wieder etwas Neues entstehen konnte. Obwohl das Thema noch erkennbar ist, entsteht eine neue freie Musik. Diese Klangwelt, wie ich sie jetzt nenne ist frei in der musikalischen Gestaltung.
Ich wage den Schritt und richte mich nicht mehr nach den Gesetzen der Musik und Formenlehre. Mein freies Spiel und momentaner Gefühlsausbruch steht im Mittelpunkt und lässt nicht mehr zu, sich an die Regeln zu halten.
Natürlich besteht die Gefahr, dass meine neuen, freien Melodien sich ständig in verschiedene Richtungen verändern. Aber genau das ist der musikalische Nervenkitzel, der immer mehr reizt und die Phantasie beflügelt. Ich kann so nach meinen jeweiligen Stimmungen die festgelegte Melodie immer wieder neu gestalten und ausbauen. Musikalischer Vortrag -Thema - freie Form.
Natürlich gibt es jetzt Einsprüche - wie soll der Musikpartner oder mehrere Musiker mitspielen? Die Spielweise ist so frei improvisiert, dass ich gezwungen bin, nur solistisch zu musizieren.
Einwände haben ihre Berechtigung, - nur um zu einer neuen Form, meiner eigenen Form des Musizierens zu finden, muss ich diesen Weg wagen.
Nehmen sie einen Maler, der zuerst Skizzen über Skizzen zu einem Thema anfertigt. Er lässt auch seiner Phantasie freien Lauf.
Wie viele Skizzen wird er anfertigen bis sein Werk seine Vollendung erfährt? So sehe ich die Art und Weise meiner musikalischen Phantasien. Je länger ich mich mit den Bausteinen der Musik beschäftige um so interessanter kann mein Bauwerk der Musik werden. Meine neuen Themen, Rhythmen, Akkorde usw., fügen sich zu meiner eigenen Form oder zu meinem eigenen Stil zusammen.
Die Gesetzmäßigkeit wurde nicht konstruiert,- sie ist gewachsen. Jetzt können auch meine Musikkollegen mitspielen.
Meine freien Melodieteile und Improvisationen haben sich selbst aussortiert. Ich habe die Töne ausgesiebt. Das musikalisch Wertvolle ist nicht abhanden gekommen. Ergebnis: eine Komposition hat sich aus dem freien Spiel entwickelt - in ihrer jetzt eigenen Form. Nach dem Motto: Was rund ist muss kein Kreis bleiben - und was eckig ist kein Viereck sein. So komme ich zu dem Schluss, Musik ist grenzenlos. Sie läßt sich nicht mit festgelegten Formen konstruieren, die nur zu einem Ergebnis führen.
Es liegt mir fern die großen Meister der Tonkunst in Frage zu stellen. Mein Vorhaben ist es aus diesen Werken zu lernen. Ich brauche die Kenntnisse der Musiklehre um aus ihr bewußt auszubrechen, um etwas Neues und Eigenes zu schaffen
Musik: Ausdruck der Empfindungen und Eindrücke
Ich kann mit Tönen Empfindungen und Eindrücke ausdrücken, z. B.: Abendstimmung oder Sonnenaufgang.
Spontan sprudeln Melodien aus mir heraus, dies ist abhängig von meiner jeweiligen Gefühlslage. Man kann dieses Spiel nicht improvisieren nennen, sondern vielmehr als Ausdruck von Tonstimmungen, die gezielt auf ein Thema schließen (Abendstimmung).
Ich hatte solch ein Erlebnis in Namibia, nachts in der Wüste Namib, bei klarem Sternenhimmel und dem Rau-schen des Wüstenwindes spielte ich auf meiner Gitarre.
Diese einzigartige Kulisse wirkte inspirierend auf mich, so dass meine Finger fast planlos über die Seiten sprangen.
Diese Stimmung und ihr Einfluss auf meine Phantasie hielt lange an. Tongebilde, die ich hätte nie planen können, sind entstanden. Überlegt oder musikalisch nachgedacht habe ich nicht. Freunde die dabei waren, sprachen später von Melodien die sie vorher von mir noch nie gehört hatten. (Elvir Held war auch dabei).
Am nächsten Tag versuchte ich mich an einige Passagen zu erinnern. Aus dem freien Spiel entstand meine Komposition, die ich Wüstenwind nannte.
Diese Melodie ist in ihrem Aufbau frei gewachsen. Akkorde und Melodiestimme stehen in keiner Form zu den traditionellen Kompositionsregeln. Im Vordergrund steht die Stimmung der Nacht in der Wüste. Selbst Tempo, Takt und Rhythmus spielten keine große Rolle mehr. Eine Festlegung der Harmonielehre und Rhythmik würde dem Stück einen anderen Ausdruck geben. Tonbeispiel: „Wüstenwind.“
Leon Kappa