Leon
Kappa
Begegnung mit Manitas de Plata
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Es war in den 70er Jahren, Beat- und Rockbands formierten sich und prägten den Geschmack meiner Generation. Schnell trafen sich Musiker, die Songs und Stil der grossen Vorbilder nachspielten. Diese Zeit ging mit einem lachenden und weinenden Auge an mir vorbei. Elektrogitarre und Verstärkeranlagen waren damals noch sehr teuer. Ich hatte aber meine Akustikklampfe, experimentierte und übte alleine. Vielleicht sollte dies alles so sein. Ein Hit nach dem anderen der bekannten Musikgruppen wurde durch die Medien gejagt. Nie kam ich auf die Idee, diese Musik zu kopieren, warum auch? Ich war ja alleine mit meiner Gitarre. Es war noch während meines Grafikstudiums, als meine Freunde von dem damals schon weltbekannten Gitarristen Manitas de Plata erzählten und mich nach Frankfurt/Main zu einem seiner Konzerte mitnahmen. Der Konzertsaal (Jahrhunderthalle) war völlig ausverkauft. Die riesige Bühne war leer und ohne Lichteffekte, nur ein Stuhl stand in der Mitte. Ein "kleiner" Mann mit markanten Gesichtszügen kam mit seiner Gitarre stolz an die Rampe, blieb stehen und tat nichts. Er mußte auch nichts tun. Seine Ausstrahlung war so gewaltig, daß bis in die letzten Reihen eine besondere Atmosphäre zu spüren war. Manitas de Plata war da! Er ging zu seinem Stuhl, küsste die Gitarre und der Funke schlug über. Noch hatte er keinen einzigen Ton gespielt und ca. 2000 Menschen jubelten als wäre das Konzert gerade zu Ende. Niemals zuvor hatte ich so etwas erlebt oder im Fernsehen gesehen. Über das Konzert weiter zu berichten geht an meinem Thema vorbei. Kurz gesagt, er verstand es, Menschenmassen alleine mit seinem Gitarrenspiel zu Ovationen hinzureissen. Auf dem Heimweg sprach ich kaum ein Wort. Wie ein Film spulte sich dieses Erlebnis vor meinem geistigen Auge noch einmal ab. Weltweit begeisterte Manitas die Menschen und mußte mehrmals hintereinander in den größten Hallen auftreten. Ich kaufte mir damals meine erste Schallplatte: "Manitas de Plata". Ich hörte sie und war fast enttäuscht. Diesen Musiker muß man live erleben. Viele Jahre gingen ins Land, aber vergessen hatte ich diesen aussergewöhnlichen Mann mit seiner Gitarre nie. Seine Faszination blieb in meinem Gedächtis. Über zwanzig Jahre mußte ich warten. Morgen sollte ich Manitas de Plata, den Gitano aus Südfrankreich persönlich kennenlernen. In einem kleinen Ort in der Nähe von Montpellier lebte der inzwischen 78-jährige Manitas. Meine Spannung wuchs, je näher das Treffen kam. Wie würde er sein? Arrogant? Unnahbar? Eine Nervosität, ja fast Lampenfieber gleich überkam mich. In einem Cafe am Strand traf ich zunächst seinen persönlichen Impressario, der mir erklärte, Manitas würde gleich kommen. Mich hielt es nicht auf meinem Stuhl; so ging ich einfach einen Häuserblock weiter. Da kam er mir entgegen mit seinem typischen Lächeln. Lange weisse Haare, aber unverkennbar: es war Manitas de Plata. Je näher er kam, um so stärker spürte ich seine Aura, die ihn so aussergewöhnlich machte; selbst die Strasse war plötzlich wie seine Konzertbühne. Eine sympatische, sehr freundliche aber stolze Persönlichkeit begegnete mir. Trotz seiner Welterfolge, den Huldigungen von Pablo Picasso, Dali und anderen Grössen aus Kunst, Film und Kultur war er der Gitano ohne Überheblichkeit geblieben. Ich hatte eine meiner Übungsgitarren dabei und bat ihn etwas zu spielen. Er erkannte sofort die Minderwertigkeit des Instrumentes und lachte schallend. Aber er spielte. Wir verbrachten einen lockeren Nachmittag mit etwas Sprachproblemen, aber mein Traum ging in Erfüllung. Ich kannte jetzt Manitas de Plata persönlich. Eine lebende Legende. |
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